Um 13.30 Uhr war schon wieder Ruhe, vorher nicht
Um 13.30 Uhr gibt die Kantonspolizei Wallis offiziell Entwarnung: Der Gegenstand ist unschädlich gemacht, zu keinem Zeitpunkt habe eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden, sagt Mediensprecher Daniel Imboden. Drei Stunden lang standen die Hallen 21, 22 und 23 der Foire du Valais in Martigny leer, zwischen Weinflaschen und Alpkäse-Ständen, wegen eines Dings, von dem niemand öffentlich sagt, was es genau war, vielleicht ein Koffer, laut einer ersten, nicht bestätigten Version. Entdeckt worden war er Stunden vorher, kurz nach der Hallenöffnung, von jemandem, der einfach eine Spur zu lange hinschaute. Die Spezialisten der Kantonspolizei hatten dann einen klaren Auftrag: prüfen, entschärfen, melden. Erledigt, bevor irgendjemand ausserhalb des Sicherheitsbands überhaupt begriffen hat, wovor er sich hätte fürchten sollen.
Ein paar Stunden früher, am selben Mittwochmittag, bekommt ein Alphorn in Habkern im Berner Oberland seinen allerersten Ton. Es ist frisch aus der Werkstatt der Alphornmacherei Bernatone, noch ohne jede Patina, und die Frau, die es zuerst an die Lippen setzt, ist Callista Gingrich, Botschafterin der USA in der Schweiz und in Liechtenstein, mit ihrem Mann Newt Gingrich im Schlepptau. Ihr Auftrag für diesen Tag steht in keinem Protokoll, höchstens im eigenen Terminkalender: Handwerk ansehen, Fragen stellen, selbst mithelfen, danach hinauf zu Bergbauer Heinz Tschiemer, Kühe anschauen, in den bis unters Dach gefüllten Käsespeicher schauen. Unschädlich machen muss hier niemand etwas, nichts geht schief, nichts muss entschärft werden. Das ist an diesem Mittwoch die Ausnahme, nicht die Regel.
Noch früher, irgendwo in einem Rechenzentrum, das in keinem Artikel namentlich vorkommt, unterschreibt ein IT-Leiter etwas nicht: die automatische Verlängerung seiner VMware-Lizenz. Das ist, laut einer Umfrage von Unisphere Research unter 269 Firmen weltweit, inzwischen eher Regel als Ausnahme. Neun von zehn Befragten denken über Alternativen nach, seit der neue Eigentümer Broadcom die Preise angehoben hat, 54 Prozent nennen zusätzlich den auslaufenden Support für unbefristete Lizenzen als Grund. Fast die Hälfte will trotzdem nicht auf das neue Cloud-Paket des Herstellers wechseln, sondern lieber mehrere Hypervisoren gleichzeitig betreiben, was auf dem Papier nach mehr Arbeit aussieht und sich für die Befragten offenbar trotzdem nach weniger Risiko anfühlt. Am späteren Nachmittag gibt, unabhängig davon, die ETH Zürich bekannt, dass sie der Firma Cancom den Zuschlag für die Erneuerung ihres Huawei-WLANs erteilt hat, 7,6 Millionen Franken, rund 7500 Zugangspunkte, die zweite grosse Ablösung seit 2016. Zwei Branchen, zwei Firmen, zwei unabhängige Entscheidungen am gleichen Tag, dieselbe leise Logik dahinter: Ein System, das nie ganz ausfallen darf, braucht nicht Perfektion, sondern Ersatzteile, Alternativen und einen Plan, der schon bereitsteht, bevor der erste Plan tatsächlich versagt. In der Technikwelt heisst das Risikomanagement, nicht Fehler, aber am Ende läuft es auf dasselbe hinaus: Man plant den Fehler ein, bevor er passiert.
Ganz am Anfang dieses Mittwochs, in Luterbach im Kanton Solothurn, ist von alldem noch nichts zu ahnen. Eine Familie hat fünf Wochen Sommerferien hinter sich und seither immer wieder kleine Haare im WC gefunden, zu oft für einen Zufall. Die Kamera, die sie aufgestellt hat, zeigt in der Nacht eine Ratte, die aus der Toilette klettert, sich kurz umschaut und wieder verschwindet. Schädlingsbekämpfer Manuel Bernarda von der Firma Ecotox kennt den Weg, den das Tier genommen hat: ein Luftloch in der Leitung, eigentlich zur Entlüftung gedacht, nicht zur Durchreise. Am frühen Morgen rückt er mit dem Hochdruckreiniger an und spült die Leitung durch, während die Gemeinde beteuert, Luterbach habe kein generelles Rattenproblem, nur eine trockene Jahreszeit, die Tiere näher an die Häuser treibt. Eine Rattenklappe soll jetzt folgen, sein Rat für die Zeit dazwischen: Deckel offen lassen, denn eine Ratte gehe dort wieder hinaus, wo sie hereingekommen sei.
Zwei, drei Zugangspunkte weniger wären dem WLAN der ETH nie aufgefallen, ein ausgefallener Server im Rechenzentrum nicht einmal eine Randnotiz, aber eine einzige, zur Entlüftung gedachte Öffnung in einem einzigen Rohr reicht offenbar, damit eine ganze Familie fünf Wochen lang Haare im WC findet.
Eingewobene Meldungen vom 8. Oktober 2026:
- Die Kantonspolizei Wallis räumt am 7. Oktober 2026 wegen eines verdächtigen Gegenstands drei Hallen der Foire du Valais in Martigny, um 13.30 Uhr folgt Entwarnung, laut Mediensprecher Daniel Imboden bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr. 20 Minuten
- US-Botschafterin Callista Gingrich besucht mit Ehemann Newt Gingrich die Alphornmacherei Bernatone in Habkern und den Bergbauernhof von Heinz Tschiemer. Plattform J
- Laut einer Umfrage von Unisphere Research im Auftrag von Rimini Street unter 269 Firmen erwägen 90 Prozent Alternativen zu VMware, Grund sind die seit der Broadcom-Übernahme gestiegenen Lizenzkosten. Inside IT
- Die ETH Zürich vergibt der Firma Cancom einen 7,6-Millionen-Franken-Auftrag für die zweite grosse Erneuerung ihres Huawei-WLANs mit rund 7500 Zugangspunkten seit 2016. Inside IT
- Eine Familie in Luterbach SO findet nach den Sommerferien wiederholt Haare im WC, eine Kamera zeigt eine Ratte, Schädlingsbekämpfer Manuel Bernarda reinigt die Leitung mit einem Hochdruckreiniger. 20 Minuten
