Ein ehemaliger Zwetschgen-Hostet. Die Bäume sind weg, der Boden ist da, und die Frage hängt in der Luft: Was macht man mit einer Fläche, die einmal Obstgarten war — und wieder einer werden soll, aber nicht mehr derselbe?
Syntropischer Agroforst ist ein Begriff, der am Anfang komplizierter klingt, als er ist. Das Grundprinzip ist alt: Bäume und Feld zusammen. Bäume schützen, beschatten, nähren den Boden. Feldpflanzen nutzen das Mikroklima, profitieren von der Schichtung, geben zurück. Was neu ist an der syntropischen Variante, ist die Intensität der Nachahmung natürlicher Prozesse: Sukzession, Schichtung, Dynamik. Je genauer die Natur nachgeahmt wird, desto ertragreicher und resilienter das System.
In diesem Pilotprojekt habe ich begonnen, das Konzept auf einer überschaubaren Einheit umzusetzen. Erste Baumreihen gesetzt, Zwischenfrüchte definiert, Bodenbedeckung organisiert. Vieles davon ist noch jung und unfertig — das ist bei einem Pilotprojekt so. Man testet, beobachtet, lernt. Das ist keine Schwäche des Projekts. Es ist sein Sinn.
Was mich am Agroforst fasziniert: Er verlangt ein anderes Zeitgefühl. Man pflanzt nicht für die nächste Saison. Man pflanzt für ein System, das in zehn Jahren seine volle Funktion erreicht — und man muss lernen, das als Fortschritt zu akzeptieren, auch wenn man heute nur Erde und kleine Pflanzlinge sieht.
Ungeduld ist vielleicht der grösste Feind des Agroforsts. Und das Lehrreichste daran.
Das Projekt im Vereins-Kontext: https://www.permazwerg.ch/project/pilotprojekt-syntropisch-dynamischer-agroforst/
