Ein Balkon ist kein Garten. Aber er kann mehr sein als eine Ablage für Fahrradhelme und Blumentöpfe. Das war der Gedanke, der mich zu «Balkonien» geführt hat.
Die Kernfrage war eigentlich naiv einfach: Wie viel Leben ist auf begrenztem Raum möglich? Ich fing an, meinen Balkon in Zonen zu denken. Zone 1 in der Permakultur ist der Bereich, den du täglich durchquerst — dort, wo Aufmerksamkeit automatisch vorhanden ist. Ein Balkon ist fast schon klassische Zone 1: Man geht täglich daran vorbei, schaut, beobachtet, greift kurz in ein Kraut.
Ich habe ausprobiert. Tomatenpflanzen in tiefen Töpfen, Kaffeesatz als Beimischung zum Substrat, Kräuterpflanzen nicht nur als Würze, sondern auch als Nahrungsquelle für Insekten. Zucchini, die eigentlich zu viel Platz braucht — aber funktioniert hat. Salatblattschnitt statt Kopfsalat, weil er länger ergiebig bleibt.
Was ich dabei gelernt habe: Kleine Räume zwingen zur Präzision. Jede Pflanze muss eine Funktion haben — oder mehrere. Das ist anspruchsvoll, aber auch ehrlich. Man kann sich auf einem Balkon nichts vormachen.
«Balkonien» lebt noch. Es ist gewachsen, verändert, vereinfacht worden. Einige Pflanzen sind inzwischen in den Garten umgezogen — der Balkon hat den Garten damit mitgeprägt. Das gefällt mir an kleinen Projekten: Sie stehen nie wirklich allein.
Permakultur hängt nicht von der Fläche ab. Sie hängt von der Aufmerksamkeit.
Das Projekt im Vereins-Kontext: https://www.permazwerg.ch/project/p02_balkonien/
