Der Rest bleibt hell
Am Mittwochabend, kurz vor Mitternacht, ist von alldem nichts mehr zu sehen. Der Himmel über Bern ist schwarz und ruhig, keine Wolke, kein Ton. In zwei Nächten, am Freitag um 4.33 Uhr, wird der Mond in den Kernschatten der Erde eintreten, tief über dem Westsüdwesthorizont, und um 6.12 Uhr werden 94 Prozent seiner Scheibe im Dunkeln liegen. Nur 94, nicht 100. Der Rest bleibt hell, weil der Erdschatten am Rand ausfranst, weil ein Schatten selten eine scharfe Kante hat, sondern einen Kernschatten und einen Halbschatten, einen Bereich, in dem nur ein Teil des Lichts fehlt statt alles. Diese Woche hat mehrfach genau diese Kante vermessen, ohne sie beim Namen zu nennen.
Am Mittwochmorgen, während der Mond noch niemanden interessiert, meldet die Interessengemeinschaft elektronische Medien ihren Digimonitor: 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung nutzen künstliche Intelligenz, doppelt so viele wie vor zwei Jahren, 77 Prozent davon über den KI-Modus der gewohnten Suchmaschine, nur 57 Prozent gezielt über eine eigene KI-Plattform. Auch das ist kein Kippschalter, sondern eine Kante, an der die Nutzung von beiläufig zu bewusst übergeht, ohne dass die meisten Befragten sagen könnten, wann genau. Zur gleichen Stunde bestätigt die Hochschule für Wirtschaft Zürich, dass die Untersuchung des Vorfalls vom Vortag andauere. Die eigene Infrastruktur sei nach heutigem Stand nicht betroffen.
Am Dienstag zuvor, kurz nach elf Uhr, sagt Laura Oderbolz, Leiterin Kommunikation der HWZ, gegenüber der Fachredaktion Inside IT: «Nach aktuellem Untersuchungsstand erfolgte der Angriff über die Infrastruktur unseres externen IT-Dienstleisters.» Personendaten wurden entwendet, die Hochschule selbst, so der Stand an diesem Dienstag, nicht direkt. Auch das ist eine Halbschattengrenze: getroffen, aber nicht am eigenen Server, sondern am Rand, dort, wo die eigene Verantwortung endet und die eines Dritten beginnt, und wo trotzdem beide etwas abbekommen.
Zeitgleich, am selben Dienstagvormittag, hebt ein Kran in Bern die letzten Meter des Seftaustegs über die Aare. 53 Meter Fussgängerbrücke, seit April in drei Teile zerlegt in einem Sanierungswerk, neuer Korrosionsschutz, ersetzte Metallteile, Anfang August zurückgebracht, jetzt zusammengesetzt, aber noch nicht begehbar. Bis Ende September bleibt der Steg gesperrt, ein Bauwerk, das schon wieder an seinem Platz hängt und trotzdem noch nicht seinen Zweck erfüllt. Auch hier ein Zustand dazwischen, weder ganz Baustelle noch ganz Brücke.
Am Montag davor, zwischen 17 und 18 Uhr, brechen am Hängegletscher Weisshorn Ost bei Randa im Mattertal mindestens drei Eismassen ab, die grösste in dieser einen Stunde. Die Gemeinde erhöht die Überwachungsstufe auf 3, ein Aufenthaltsverbot gilt im markierten Perimeter, eine Radaranlage misst seit Ende Juni jede Bewegung des Hangs. Ob sich die Lage entspannt oder weiter zuspitzt, ist offen. 1819 hat eine Lawine vom selben Berg das Dorf beschädigt, 1991 ein Dreifachbergsturz fast fünfzig Millionen Kubikmeter Gestein zu Tal gebracht, ohne dass ein Mensch zu Schaden kam. Auch ein Gletscher hat keinen Moment, an dem er kippt. Er bewegt sich schon lange, bevor jemand eine Stufe erhöht, und niemand kann rückwirkend sagen, an welchem Nachmittag genau die Bewegung begann, die am Montag sichtbar wurde.
Und der Angriff auf den Dienstleister der HWZ? Auch der hat ein Datum, an dem er begann, nur kennt es diese Woche noch niemand. Irgendwo davor, unvermessen, liegt der Moment, in dem zum ersten Mal jemand Zugriff hatte, der keinen haben sollte. Am Freitag um 6.12 Uhr wird man wenigstens wissen, wie viel Prozent des Mondes im Schatten liegen. Bei allem anderen bleibt vorerst nur die Kante sichtbar, nicht der Moment, an dem sie entstanden ist.
Eingewobene Meldungen vom 26. August 2026:
- Partielle Mondfinsternis am 28. August: In Bern beginnt der Eintritt in den Kernschatten um 4.33 Uhr, das Maximum um 6.12 Uhr mit rund 94 Prozent bedecktem Mond, sichtbar nur bei freier Sicht nach Westsüdwest kurz vor dem Untergang um 6.51 Uhr. Plattform J
- Cyberangriff über einen externen IT-Dienstleister trifft die Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), Personendaten wurden entwendet, die hochschuleigene Infrastruktur ist nach aktuellem Stand nicht betroffen. Inside IT
- Der sanierte, 53 Meter lange Seftausteg über die Aare in Bern wurde am Dienstagvormittag nach Monaten in einem externen Sanierungswerk wieder eingehoben, begehbar erst ab Ende September. Plattform J
- Randa VS erhöht nach mehreren Gletscherabbrüchen am Hängegletscher Weisshorn Ost die Überwachungsstufe auf 3, Aufenthaltsverbot im Perimeter, weitere Abbrüche nicht ausgeschlossen. Plattform J
- Der IGEM-Digimonitor zeigt: 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung nutzen künstliche Intelligenz, eine Verdoppelung innert zwei Jahren, mit deutlichen Abstufungen zwischen beiläufiger und gezielter Nutzung. Plattform J
